Einen sonnigen Sonntagnachmittag aus Zagreb – der Hauptstadt Kroatiens. Nach einem weiteren Adventure-Tag irgendwo zwischen Enduro-Training, Rallye Dakar und Navigationsnutzerversagen sind wir heil und gesund angekommen.
Nach dem Frühstück ging es gegen 8.45 Uhr bei angenehmen 13°C aus Banja Luka los. Ziel: Kroatien. Entfernung bis zur Grenze: entspannte 120 Kilometer. Dachten wir…
Die ersten Kilometer durch Bosnien waren ein Traum: Wälder, Hügel, perfekter Asphalt, kaum Verkehr und Kurven bis zum Horizont. Motorradfahrer-Herz, was willst du mehr?
Irgendwann bogen wir von der Hauptstraße ab und fanden uns plötzlich im persönlichen Motorrad-Wellnessbereich wieder. Kurven ohne Ende, Berg hoch, Landschaft wie gemalt – wir waren mental schon kurz davor, Immobilien zu kaufen.
Und dann kam die nächste Kurve.
Von jetzt auf gleich verwandelte sich der Traum-Asphalt in eine Mischung aus Geröll, Schlamm, Mineralgemisch und geologischem Totalschaden. Anfangs dachten wir noch: „Ach, das sind wieder diese typischen 200 Meter Balkan-Baustelle.“
Nein.
Es wurde schlimmer. Viel schlimmer.
Der Regen der letzten Tage hatte aus der Strecke eine Mischung aus Mammut Park Stadtoldendorf, Panzerübungsplatz und Schweinesuhle gemacht. Die Motorräder rutschten links und rechts, der Schlamm flog bis unters Visier und spätestens als eine Wasserpfütze beschloss, ein Motorrad komplett zu taufen, war klar: Hier stimmt irgendwas nicht.
Also umgedreht. Raus aus dem Sumpf. Zurück in die Zivilisation. Oder zumindest zurück zum Asphalt.
Dort stellte sich heraus: Wir hatten einfach eine Abzweigung übersehen. Vor lauter Kurventräumerei.
Selber schuld.
Doch Bosnien hatte noch nicht genug mit uns gespielt: 20 Kilometer später ging die Straße erneut in Schotter und Geröll über. Dieses
Mal allerdings trocken und sonnig. Also kämpften wir uns weitere 40 Kilometer ON- und OFFROAD durchs bosnische Hinterland.
Mal ehrlich:
Wer braucht schon den BMW Enduro Park Hechlingen, wenn man einfach aus Versehen durch Bosnien navigieren kann?
Irgendwann tauchte dann endlich Kostajnica und damit die Grenze zu Kroatien auf. Plötzlich wieder Asphalt, normale Straßen, keine Schlammlöcher und keine Angst mehr, gleich einem Holzfäller mit Traktor begegnen zu müssen.
Fazit des Tages: Wenn das Navi „unbefestigte Straße vermeiden“ sagt, bedeutet das in Bosnien offenbar: „Viel Glück, Freunde.“
In Kroatien angekommen, gab es erstmal die verdiente Belohnung: Kaffee, Eis, EU-Mobilfunknetz
Endlich funktionierte wieder alles ohne VPN-Zauberei und Datenpanik.
Meine 5GB eSIM-Daten hatte ich gestern Abend übrigens komplett verbrannt, weil das Hotel-WLAN ungefähr die Geschwindigkeit einer Brieftaube hatte. Fernsehen in Bosnien? Ohne VPN läuft da gar nix. Waipu, Zattoo, DYN – alles beleidigt außerhalb der EU.
Die Weiterfahrt nach Zagreb war dann entspannt und wunderschön. Flaches Land, gute Straßen entlang der Save, wenig Verkehr und Sonne satt. An einer Tankstelle gab’s noch schnell eine Schlammwegmachdusche für die Motorräder, damit aus den Offroad-Kühen wieder halbwegs salonfähige Reisebikes wurden.
Traurig macht uns allerdings weiterhin das Thema Timmi.
Letzte Woche waren wir noch gemeinsam unterwegs Richtung Freiheit:
- Timmi in die Ostsee.
- Wir durch den Harz Richtung Prag.
Es war schön zu sehen, wie liebevoll sich Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus um unseren Freund gekümmert hat. Schade eigentlich, dass es am Ende nicht noch für ein gemeinsames Duett oder wenigstens Löffelchen gereicht hat.
Man fragt sich allerdings schon: Wie viele Spielplätze, Kita-Plätze oder Schulen hätte man mit dem ganzen Aufwand rund um Timmi finanzieren können?
Wir waren jedenfalls diese Woche alle ein bisschen Timmi. Und irgendwie wird er uns fehlen.
Jetzt sind wir in Zagreb angekommen und schauen gleich mal, was man hier so kroatisch auf den Teller und ins Glas bekommt.
- Wetter top.
- Laune top.
Morgen geht’s weiter nach Graz in die Steiermark.
Mal sehen, ob das Navi morgen wieder Allrad erwartet.
Bis zu den ÖSIS…






