Petri Heil aus Banja Luka – Hauptstadt der Republik Srpska in Bosnien-Herzegowina.
Gestern Abend waren wir noch in Sarajevo unterwegs. Was für eine Stadt! Altstadt, kleine Bars, Restaurants, Cafés, überall Menschen, Stimmen, Gerüche und Leben ohne Ende. Moscheen, Christen, Touristen aus aller Welt – alles friedlich durcheinander. So stellt man sich eigentlich eine lebendige Stadt vor.
Nach dem Essen landeten wir noch in einem Café. Es gab Eis, Kaffee und Baklava. Also quasi Fitnessessen auf Balkan-Art.
Heute Morgen ging es nach dem Frühstück weiter Richtung Banja Luka. Wetterbericht: Weltuntergang. Also direkt rein in die Regenklamotten. Die Route wurde spontan gekürzt auf nur knapp 200 Kilometer. „Nur“ ist dabei relativ, wenn man quer durch bosnische Berge fährt und die Navigation offensichtlich Crack geraucht hat.
Nach etwa 30 Kilometern fing es an zu regnen. Und zwar richtig. Der Regen hörte genau dort wieder auf, wo wir heute angekommen sind.
Nach etwa 60 Kilometern legten wir an einer Tankstelle eine Pause ein. Dort trafen wir Bogdan – nennen wir ihn einfach mal so. Bogdan sprach perfektes Deutsch, weil er 35 Jahre in Deutschland gearbeitet hat. Kaffee gab es gratis und Meinungen ebenfalls.
Bogdan kam 1985 nach Deutschland. Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis musste er sich damals teuer und mit Anwälten erkämpfen. Er ist vor ein paar Jahren nach Bosnien zurück, um sich um seine inzwischen verstorbenen Eltern zu kümmern.
Nach 35 Jahren Arbeit und Einzahlungen bekommt er heute nach eigener Aussage nur eine kleine deutsche Rente. Entsprechend deutlich war seine Meinung zur aktuellen deutschen und europäischen Politik.
Besonders beim Thema Migration wurde er sehr klar. Für ihn ist schwer nachvollziehbar, dass Menschen nach Europa kommen, nicht arbeiten wollen oder nicht arbeiten dürfen, aber trotzdem sozial abgesichert werden. Er sagte ganz offen, dass er sich vom deutschen Staat unfair behandelt fühlt, weil er jahrzehntelang gearbeitet und eingezahlt hat. Heute lebt er zufrieden und glücklich wieder in Bosnien, betreibt ein kleines Café mit Farm und sagt trocken:
„In das heutige Deutschland möchte ich nicht mehr zurück.“
Auch zur EU hatte Bogdan eine klare Meinung:
„Die EU fliegt eher auseinander, bevor Bosnien Mitglied wird.“
Und obwohl die Diskussion durchaus direkt war, blieb das Gespräch die ganze Zeit respektvoll und spannend. Genau für solche Begegnungen machen wir diese Reisen.
Danach ging es weiter Richtung Norden. Die Strecke war ein absoluter Motorradtraum: Berge, Kurven, kaum Verkehr… und ungefähr so viel Wasser wie bei einer Wildwasser-Rafting-Tour. Temperaturen runter bis 7 Grad. Herrlich. Also für Pinguine.
Dann kam der Moment, an dem unsere Navigation endgültig den Verstand verlor:
Mitten im Dorf rechts ab in den Wald. Regen. Grober Schotter. 15 % Steigung. Kein Asphalt. Kein Empfang. Keine Menschenseele. Hier fahren normalerweise nur Traktoren oder entflohene Holzfäller lang.
Aber wir waren Optimisten. Oder zu doof zum Umkehren.
Also durchgezogen. 5 Kilometer später tauchte tatsächlich wieder eine asphaltierte Straße auf. Blutdruck 180, Puls 240 – aber: gemeistert. Adventure-Offroad im Dauerregen. Kostenlos inklusive.
In Banja Luka angekommen, waren wir gleichzeitig nass UND trocken. Motorradfahrer verstehen das. Erstmal rein ins Hotel, Klamotten trocknen und direkt ein Fahrbier beim Check-in vernichtet.
Fun Fact für die älteren Semester:
Banja Luka ist Handballfans natürlich ein Begriff. RK Borac Banja Luka war früher eine echte europäische Handballmacht. Europapokalsieger, Jugoslawien-Legende und Heimat einiger völlig entspannter Handballtrainer mit leichtem Balkan-Temperament.
Aktueller Trainer ist der bekannte Handballrüpel Veselin Vujović und ein ehemaliger Trainer ist Velimir Petkovic, auch aus der Bundesliga bekannt. RK Banja Luka gewann 1976 den Europapokal der Landesmeister und mit Petko als Trainer 1981 den EHF Pokal,
Jetzt wärmen wir uns erstmal wieder auf. Der Liter Super kostet hier übrigens 2,93 BAM – klingt teuer, ist aber ungefähr 1,50 €.
Schwierig ist es auch mit aktuellem Foto- und Videomaterial. Da wir kaum anhalten und unsere nassen Sachen ausziehen, sind Fotos und Videos von hier aktuell sehr rar. Mals schauen, was die Tage noch bringen
Morgen soll wieder Sonne kommen. Dann geht’s weiter nach Zagreb.
Wenn die Navigation mitspielt…






