Servus Ö-Streich… oder besser gesagt: „Bitte einmal Konto leer machen.“
Was haben uns die Ö-Streicher rasiert… Selten haben wir uns auf einer Reise so gepflegt verscheissert gefühlt wie in Graz. Von einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis konnte bei unserem Aufenthalt wirklich keine Rede sein.
Unser „Häuserl am Wald“ sollte laut Beschreibung ein gemütlicher Landgasthof mit österreichischer Küche sein. Bekommen haben wir: eine Mischung aus Seniorenheim, 90er-Jahre-Schullandheim und Improvisationstheater.
Die Betten bestanden aus Sofas mit lose aufgelegter Matratze. Kein Halt, alles schief im Raum und man hatte die ganze Nacht das Gefühl, gleich seitlich aus dem Bett Richtung Österreich abzurutschen. Orthopädisch eine Kriegserklärung.
Die Zimmer waren nicht „in die Jahre gekommen“, sondern eher: „historisch gewachsen“.
Abgerockt, alt und dringend renovierungsbedürftig. Das Frühstück war dann der endgültige Wirkungstreffer.
Die Brötchen waren derart trocken, dass sie vermutlich bereits unter Kaiserin Sissi aufgebacken wurden. Mit etwas Panade hätte man daraus problemlos Schnitzel herstellen können. Wir mussten literweise Orangensaft nachkippen, damit die Dinger überhaupt den Hals passierten.
Das Restaurant im Hotel hatte montags geschlossen. Rückblickend vermutlich unser größtes Glück des Tages.
Über den Preis sprechen wir lieber nicht. Für das Geld hätten wir in Bosnien vermutlich:
- zwei Nächte
- dreimal Abendessen,
- zweimal Volltanken,
- eine Massage
- und wahrscheinlich noch einen gebrauchten Golf 2 bekommen.
Also Taxi rein nach Graz. Nächster Fuffi weg.
Kulinarische Rettung sollte dann der Grieche „DIONYSOS“ bringen. Der Name klang vielversprechend: Gott des Weines, des Rausches, der Ekstase und der Lebensfreude.
Die Realität war eher: Gott der überhöhten Preise und lieblos angerichteten Teller. Selten so viel Geld für so wenig Begeisterung bezahlt.
Danach gönnten wir uns noch Café und Spaghettieis. Qualitativ okay. Preislich irgendwo zwischen Dubai-Airport und Zürcher Innenstadt.
Fazit Graz: Für das Geld einer Nacht hätten wir in allen anderen Ländern der Reise mindestens zwei Nächte inklusive Essen und Volltanken bekommen – und das deutlich besser. Graz wird uns so schnell nicht wiedersehen. Ö-Streich de luxe.
Nach dem schlechtesten Frühstück der gesamten Reise flüchteten wir bereits um 8 Uhr morgens aus Graz Richtung Norden.
Und plötzlich wurde Österreich wieder wunderschön.
Die Fahrt über die B115 entlang der Steirischen Eisenstraße war absolut grandios. Kurven, Berge, Sonne satt, wenig Verkehr und Straßen wie frisch gebügelt.
Kilometerlang fuhren wir entlang der Enns durch traumhafte Landschaften. Über den Präbichl auf über 1200 Meter Höhe ging es weiter Richtung Oberösterreich bei angenehmen bis zu 20 Grad.
Vorbei an der riesigen Anlage der Voestalpine AG in Leoben-Donawitz – mitten in den Bergen ein Stahlwerk, das aussieht, als würde dort heimlich das nächste Raumschiff gebaut.
Über Steyr – bekannt durch PUCH – und Linz ging es schließlich weiter nach Tschechien.
Und jetzt sitzen wir wieder in Cesky Krumlov. Oder wie wir inzwischen sagen: „Krumau an der Moldau.“
Bereits zum dritten Mal wohnen wir in der Pension Rosa und fühlen uns sofort wieder wohl.
Direkt an der Moldau, gegenüber dem Schloss, suchen wir uns gleich eine schöne Taverne und verköstigen das erste tschechische Fahrbier des Tages.
Fazit des Tages: Fahrtechnisch war das heute der schönste Tag der gesamten Reise.
- Traumhaftes Wetter.
- Geniale Straßen.
- Kaum Verkehr.
- Und endlich wieder Preise, bei denen man nach dem Bezahlen keinen Kredit aufnehmen muss.
Sonnige Grüße aus Südböhmen.
Morgen melden wir uns von der Schneekoppe in Petzer.






