Wir starteten heute Morgen bei strahlend blauem Himmel und frischen 10 °C in Petzer. Über Mala Upa führte unsere Route noch gut 40 Kilometer durchs Riesengebirge – mal auf tschechischer, mal auf polnischer Seite. Motorradfahren wie aus dem Bilderbuch. Zumindest anfangs.
Bis zur polnisch-deutschen Grenze bei Görlitz lagen rund 110 Kilometer vor uns. In Polen wurde der Verkehr langsam dichter, gleichzeitig stiegen die Temperaturen überraschend schnell auf angenehme 20 °C. Der Sommer meinte es heute ernst mit uns.
An der Grenze dann das erwartete politische Kabarett. Während im Rest Europas das Schengener Abkommen gilt, spielt der deutsche Michel wieder Grenzschutz-Edition 2026. Mit Betonpollern wie auf dem Weihnachtsmarkt, mobilen Sperren und jeder Menge „Wir tun mal wichtig“-Atmosphäre kontrollierten die sächsischen Grenztruppen stichprobenartig Fahrzeuge. Ein Schauspiel irgendwo zwischen Satire und Realsatire.
Das Ganze ist ungefähr so sinnvoll, als würde man die B65 bei Ditterke Richtung Hannover sperren und kontrollieren, während Leveste und Kirchwehren völlig offen bleiben. Wer wirklich illegal einreisen möchte, nimmt garantiert nicht den Weg mit den Betonklötzen und dem gelangweilten Beamten im Schattenzelt. Aber gut – Aktionismus ist eben auch eine Form von Politik.
In Bautzen legten wir einen kurzen Fotostopp am ehemaligen Stasi-Gefängnis Bautzen II ein. Leider reichte die Zeit nicht für eine Besichtigung, aber interessant wäre das sicher gewesen. Stattdessen zog es uns in eine Bäckerei – und das war vermutlich die bessere Entscheidung für die Stimmung.
Dort gab es hervorragenden Kaffee und Erdbeerkuchen. Bei mittlerweile 26 °C fühlte sich das an wie Wellnessurlaub für Motorradfahrer.
Unsere weiteren Zwischenziele in der Lausitz waren Kamenz, Schwarzheide, Elsterwerda sowie das Denkmal der Begegnung in Torgau an der Elbe. Gegen 17 Uhr erreichten wir schließlich Bad Düben, unser heutiges Quartier.
Der Verkehr war heute eher durchwachsen bis mäßig angenehm. Wir hatten definitiv schon entspanntere Fahrtage. Dazu kamen die Temperaturen, die irgendwann irgendwo zwischen „sommerlich“ und „Bratwurst auf zwei Rädern“ lagen.
Richtig schlecht wurde uns allerdings erst wieder an der Tankstelle. Heute Morgen hätten wir in Polen Super noch für 1,52 € tanken können. In Bad Düben standen dann plötzlich 2,10 € pro Liter auf der Anzeige. Wir fragten uns ernsthaft, wo eigentlich der legendäre „Tankrabatt“ geblieben ist. Vermutlich irgendwo zwischen Aktionärsdividende und Vorstandsprämie verschollen gegangen.
Die Details zu unseren Spritpreisen der Reise findet ihr natürlich wie immer separat im Überblick. Besonders spannend wird es, wenn man die Preise mit dem durchschnittlichen Einkommen der jeweiligen Länder vergleicht.
Unser Uber-Fahrer in Belgrad erzählte uns beispielsweise, dass der durchschnittliche Nettolohn dort bei etwa 1.000 € liegt, auf dem Land oft sogar nur bei rund 600 €. Verglichen mit einem durchschnittlichen deutschen Nettolohn von etwa 2.700 € relativiert sich der vermeintlich „billige“ serbische Spritpreis von 1,63 € schnell. Für viele Serben ist Mobilität ein echter Luxus. Deshalb fahren viele zum Tanken lieber nach Bosnien – ähnlich wie wir Deutschen gerne nach Polen oder Tschechien ausweichen.
Absolut am günstigsten war der Sprit übrigens in Bosnien-Herzegowina mit etwa 1,46 € pro Liter Super 95. Am teuersten natürlich – Überraschung – Deutschland mit rund 2,10 € brutto pro Liter.
Relativ zum Einkommen ist Tanken in Österreich am günstigsten, in der Republika Srpska dagegen am teuersten. Verrückte Welt.
Jetzt sitzen wir also in Bad Düben bei Leipzig in Sachsen. Und selbst wenn wir das Bundesland vorher nicht gewusst hätten – spätestens an Haarfarbe, Tattoos und Herzlichkeit des Personals hätten wir es erkannt. Dafür ist das Essen klasse.
Morgen geht es weiter nach Hannover zum CSD. Wir freuen uns schon riesig darauf. Mal sehen, ob dort wenigstens die Stimmung bunter ist als die deutschen Grenzkontrollen.






