Der frühe Vogel fängt den Wurm…oder steht wie zwei Vollhonks um 7.00 Uhr vor halbleeren Buffet, weil Frühstück erst ab 7.30 Uhr ist. Also erstmal Cappuccino-Taktik und gepflegtes Zeitabsitzen in Belgrad.
Gestern Abend waren wir noch mitten im wilden Belgrader Nachtleben am Platz der Republik unterwegs. Lokale Hopfenspezialitäten getestet, Menschen ohne Ende, überall Stimmung. Wenn hier schon im Mai so viel los ist – wie eskaliert das bitte erst im Hochsommer? Vermutlich komplett.
Interessant war auch unser Gespräch mit dem Taxifahrer über E-Mobilität. Während bei uns mittlerweile jeder zweite mit einer elektrischen Schrankwand durch die Gegend summt, sieht man hier fast keine E-Autos. Laut Fahrer ist Serbien bei vielen Dingen ungefähr zehn Jahre hinter Europa. Beim Thema E-Karren offensichtlich sogar eher zwölf.
Heute Morgen ging’s dann um 8.30 Uhr raus aus Belgrad Richtung Bosnien. Da Regen angesagt war, zogen wir direkt die Regenhosen an. Großer Fehler. Denn: 19 Grad, Sonne, blauer Himmel. Das Denken sollte man wirklich den Pferden überlassen.
Nach 50 Kilometern erste Kaffeepause – Regenklamotten wieder runter. Im Laufe des Tages haben wir insgesamt DREIMAL Regensachen angezogen und wieder ausgezogen. Geregnet hat exakt: gar nicht. Wir hatten also keinen Regen… sondern einfach nur Angst davor. Was für Lappen.
Die Strecke allerdings: absoluter Volltreffer! Die letzten 100 Kilometer in Serbien waren Motorradkino deluxe: Kurven ohne Ende, perfekter Asphalt, kaum Verkehr – genau für sowas fährt man los.
Bei Opština Ljubovija ging es dann über die Drina rüber nach Bosnien-Herzegowina. Direkt hinter der Grenze erstmal Mittagspause und nebenbei die neue Bosnien-E-SIM aktiviert. Mobile Daten ja – finanzieller Totalschaden beim Roaming nein.
Und dann kam der Tagesklassiker: Wir überspringen einen Wegepunkt, weil wir denken: „Brauchen wir nicht.“ Wie sich später herausstellt, war genau DAS die Gedenkstätte von Srebrenica, die wir eigentlich besuchen wollten. Da fährt man einmal im Leben dort lang und ist zu blöd zum Abbiegen. Stark gemacht.
Dafür entschädigte die Strecke Richtung Sarajevo wieder komplett. Berge, Täler, Kurven links, rechts, hoch, runter – ein Motorradparadies allererster Güte.
Was uns hier an der Straße begleitet hat, sind die Flaggen der Republika Srpska, also der „Serbischen Republik“ innerhalb von Bosnien und Herzegowina. Bosnien Flaggen waren ganz dünn.
In Sarajevo angekommen: trocken geblieben, Pension direkt an der Altstadt, Mopeds sicher vor der Tür. Jetzt wird geduscht und dann frisch und gut riechend durch Bosniens Hauptstadt flaniert.
Heute ist Bergfest. Und das feiern wir selbstverständlich fachgerecht.
Bis morgen aus Banja Luka!






